XBox 360 Elite. Eine Spielkonsole mit viel Potential, einigen Highlights im Detail, aber 4 Jahre nach Markteinführung immernoch mit technischen Problemen und Designfehlern.
Nachdem Sony auf der GamesCom 2009 die PS3 slim für 299 euro angekündigt hatte, ließ Microsoft nur wenige Tage versteichen um die Produktstrategie des eigenen Hauses offiziell zu ändern. Die Arcade wurde im Preis von 179 Euro auf 199 Euro angehoben. Die Elite wurde von 299 Euro auf 249 Euro gesenkt. Gleichzeitig wurde die XBox 360 Pro aus dem mittleren Segment entfernt und wird seit dem nicht mehr hergestellt. Zu gering waren die Unterschiede bei den Ausstattungsmerkmalen der Modellvarianten Arcade, Pro und Elite.
Mit der Preissenkung im Blick, wurde die XBox360 Elite noch am Tag der offiziellen Preissenkung bei MediaMarkt gekauft und musste sich in den folgenden Tagen ausführlichen Tests unterziehen.
Gleich zu Beginn fällt auf, dass die Oberfläche der XBox erfreulich unempfindlich gegen Fingerabdrücke ist. Das Netzteil der XBox ist immernoch extern obwohl es bereits die neueste XBox Generation ist. Besonders erfreulich ist hingegen die Vielzahl an mitgeliefertem Zubehör.
Ausstattung
- Konsole mit 120 GB Festplatte
- HDMI Kabel
- Netzwerkkabel
- Externes Netzteil
- Kabelgebundenes Headset
- Ladekabel
Anschließen und loslegen
Nach den Vorarbeiten hat die Elite direkt bei der Wii, PS3, und PS2 ihren neuen Platz. Schnell noch das beigefügte HDMI Kabel eingesteckt, die Batterien in den Controller eingelegt und los gehts. Der eingebaute Lüfter ist zwar nicht sehr laut, aber das surren des Lüfters ist bei 2 Meter Abstand noch unüberhörbar und doch etwas störend. Die Festplattenzugriffe sind ebenfalls deutlich hörbar. Bei größerer Entfernung sollten sie aber im Grundrauschen untergehen. Der Startbildschirm meldet sich mit den Einführungsseiten. Nette Werbung für die XBox die ich doch gerade gekauft habe. Nach der Einführung geht es weiter zum Avatar anlegen.
Avatar anlegen
Zitat Wikipedia: "Ein Avatar ist eine künstliche Person oder ein grafischer Stellvertreter einer echten Person in der virtuellen Welt, beispielsweise in einem Computerspiel. [...] Das Wort bedeutet "Abstieg", was sich auf das Herabsteigen einer Gottheit in irdische Sphären bezieht."
Der Avatar ist also etwas mit dem der Spieler identifiziert wird. Nach Auswahl der Grundfigur bietet die XBox Möglichkeiten den Avatar im Aussehen und in der Bekleidung zu verändern. Leider ist die Auswahl der Kleidungsstücke sehr begrenzt. Ändern kann man dies, wenn man aus dem Microsoft Shop Bekleidung und Accessoires wie Modeschmuck kauft. Die Preise sind hier wie bei der PS3 zwischen (umgerechnet) 99 Cent und 2,99 Euro. Speichern und fertig ist der lokale Avatar.
Die System-Info
Als nächstes folgt der Blick auf die System-Informationen, die auch Auskunft über die technischen Möglichkeiten gibt. Dort stellt sich heraus, dass von der 120 GB Festplatte im Auslieferungszustand nur 105 GB verfügbar sind. Wo sind also die restlichen 15 GB? - Microsoft verwendet hier ungefragt einen Teil der Kapazität für DRM (Kopierschutz) und Konfiguration auf die der User keinen Zugriff hat.
Internet-/Netzwerkanschluss
Leider besitzt die XBox keinen eingebauten WLan Adapter. Den muss man für zur Zeit 70 Euro nachkaufen. Stattdessen legt Microsoft ein GBit Netzwerkkabel der Xbox bei. Schade, wenn man im Wohnzimmer keinen Netzwerkanschluss hat. Und der ist heutzutage in den Wohnzimmern leider immernoch selten. Nachdem ein Netzwerkkabel mit Anschlussdosen verlegt worden war, trat das nächste Problem auf. Das Netzwerkkabel der XBox passte nicht in den Netzwerkanschluß. Der Grund dafür: Der Kuststoffmantel des originalen XBox Netzwerkkabels war zu dick. Der Stecker passte mechanisch nicht in die Netzwerkdose. Also wurde für 10 Euro ein neues Kabel gekauft. Nun hatte die XBox endlich wie alle anderen Konsolen auch Netzwerkanbindung.
Internet Brwoser
Microsoft entwickelt seit Jahren den eigenen Internet Explorer weiter. Auf der XBox sucht man ihn jedoch vergebens. Bequem vom Sofa aus im Internet zu surfen ist mit der XBox also nicht möglich. Das ist umso verwunderlicher, da es sich bei der XBox um eine Konsole handelt, die in normaler PC Technik ihren Ursprung hat. Die Konkurrenz hingegen (PS3 und Wii) bietet ihren Usern einen Internetbrowser an.
Die XBox als Media-Center Streaming Client
Wer einen Windows PC mit Microsoft Media Center Edition (MCE) und ein schnelles Netzwerk besitzt wird sich darüber freuen, dass der Media Center des PC über die XBox bedient werden kann. Dazu muss lediglich ein achtstelliger Code vom PC an der XBox eingetragen werden. Danach stehen einem alle Media Center Funktionen des PC zur Verfügung. Voraussetzungen dafür sind: Der PC muss eingeschaltet sein, das Netzwerk sollte wenigstens 100MBit leisten (besser 1 GBit) und eine MS Media Center Fernbedienung sollte auf jeden Fall verwendet werden, da der XBox Controller nicht alle Funktionen der Fernbedienung kennt und die Einhandbedienung mit dem Controller nicht möglich ist. Wer also die Voraussetzungen erfüllt, kann sich die Inhalte des PC über die XBox auf den Fernseher streamen lassen. Die XBox funktioniert hier als eine Art Fernbedienung für die Weiterleitung der Streams vom PC zum Fernseher. Die Inhalte des PC (Bilder, Video, Audio) werden nur per Stream übertragen.
Die XBox als eigenständiger Media Center
Um es gleich vorweg zu nehmen: Die XBox ist kein Media Center und bietet für sich allein genommen kaum Funktionen eines Media Center. Zum einen können externe Videos und die MP3 Sammlung nicht auf der XBox gespeichert werden, zum anderen werden nur wenige der üblichen Audio und Video Formate von ihr unterstützt. Das bedeutet: Videos vom Familienurlaub oder die MP3 Sammlung online gekaufter Musik wird man niemals auf der XBox speichern können um sie dort für den nächsten Besuch parat zu haben. Dafür braucht man zusätzlich einen MCE-PC. Zwar kann die XBox Audio-CDs als MP3 importieren, aber die Audio CD Erkennung läuft mieserabel. Die z.B. 2008 in Deutschland produzierte Madonna CD "Hard Candy" wird nur beim ersten Titel erkannt. Der Rest wird einfach als Titel-n durchnummeriert. Als CD Ripper taugt die XBox also nicht. Bilder wiederum nimmt sie entgegen und präsentiert diese in einer lieblos ablaufenden Bilderschau. Wer die XBox als Media Center Ersatz nutzen will, braucht neben dem erwähnten schnellen Netzwerk entweder einen MCE PC oder ein NAS (Network attached storage) mit Media Center Funktionen. In Sachen Multimedia liegt die Konkurrenz deutlich im Vorsprung.
NAS als Media-Server an der XBox
Während die Windows MCE Unterstützung recht gut ist, werden alle anderen Systeme leider stiefmütterlich behandelt. Zum Test wurde das NAS QNAP TS-509 pro mit 5 Terrabyte verwendet. Der Anschluss erfolgte über ein schnelles 1 GBit Netzwerk.
Ruft man die Video-Wiedergabe auf und wählt das NAS, dann durchforstet die XBox alle Verzeichnisse und Unterverzeichnisse. (In diesem Fall ca. 20) Kurz darauf erschien die Verzeichnis- und Dateiliste. Interessant ist, dass die XBox Filme auflistet, wenn sie deren nicht Extension kennt. Leider gehörten dazu auch etwa 200 MPEG-, OGG-, AVI-, MOV- und MP4/HD- Videos. Einige der Filme die aufgelistet wurden, verursachten beim starten die Fehlermeldung, dass der Video Codec nicht unterstützt wird. Von den insgesamt etwa 300 Filmen wurden letztlich nur ca. 82 sauber erkannt und abgespielt. Das ist nach der Wii und PS2 das bisher schlechteste Ergebnis aktueller Spielkonsolen in Bezug auf Media Center Funktionen. Bei Gelegenheit wird ein ausführlicher Test folgen, der die unterstützen Video Codecs beleuchten soll.
Als der Test mit Audio Dateien kam, gab es nochmals einen Dämpfer. Beim Aufruf der Audio-Wiedergabe und Auswahl des NAS durchforstet auch hier die XBox zuerst alle Unterverzeichnisse. Leider konnte der Test nicht abgeschlossen werden, weil die ca. 25000 Audio Dateien wohl zuviel für die XBox sind. Das System blieb zwar nicht stehen, aber der Prozess zum durchsuchen der Verzeichnisse fror ein. Auf dem NAS wurden keine Aktivitäten der XBox mehr festgestellt. Der Scan Prozess war tot. Sowas darf auf keinen Fall passieren! Bei jedem weiteren Versuch wurde erneut auf das NAS zugegriffen und der Prozess begann wieder von vorne und fror kurz danach ein. Es ist unverständlich, warum die XBox360 erstmal alle Dateien und Verzeichnisse finden will bevor das aktuelle Verzeichnis angezeigt wird. Eine vorherige Einschränkung der Verzeichnisse ist nicht möglich. So bleibt nur zu hoffen, dass Microsoft diesen fetten Bug ganz schnell beseitigt.
Games on demand
Microsoft bietet die Möglichkeit Spiele per Download zu kaufen statt sie auf Disk im Laden zu erstehen. Dieser Service nennt sich Games on demand. In der Regel sind die online gekauften Versionen etwas günstiger als die Disc Version und immerhin bietet Microsoft auf diese Art über 500 XBox und XBox360 Games zum Kauf an. Das ist ein echter Pluspunkt. Leider sind nur für wenige Spiele Demoversionen oder zumindest eine Videovorschau verfügbar. So passiert es schonmal, dass man Geld für Spiele ausgibt, unter denen man sich etwas völlig anderes vorgestellt hat. Da wünscht man sich gelegentlich mal ein Rückgaberecht für Downloads.
Videothek
Zum Zeitpunkt des Tests standen in der XBox Videothek nur 23 Filme zur Verfügung. Das ist einfach zu wenig. Hier muss Microsoft dringend nachbessern. Spätestens wenn Ende 2009/Anfang 2010 die Playstation mit Sonys Videothek (nach den USA) auch in Europa an den Start geht, muss Microsoft den mehreren tausend Filmen aus Sonys Angebot etwas entgegen setzen können. Da Sony Pictures eigene Filmstudios (TriStar, Columbia, Screen gems, Metro-Goldwyn-Mayer, United Artists, Orion, u.a.) und unzählige Verleihrechte besitzt, sieht es hier für Microsoft nach verlorenem Terrain aus.
Bedienung der XBox
Das System bietet für die Bedienung umlaufende Menüs. Ist man am Ende eines Menüs angelangt und wählt den nächsten Punkt, dann beginnt das Menü wieder von vorne. Die Hauptebene ist in Kategorien Musik, Video, Einstellungen, usw. unterteilt. Jeweils dahinter in 3D ähnlicher Form angeordnet reihen sich die Menüpunkte in Form von einzelnen Seiten aneinander. Diese sind jedoch keine umlaufenden Menüs. Wählt man hier eine Seite aus, ändert sich in der Regel der gesamte Bildschirm. Teilweise poppen neue umlaufende Menüs auf und manchmal ändert sich die Menüsteuerung zu einem Fenster in denen Funktionen ausgewählt werden können. Während der normalen Bedienung präsentiert die XBox hier drei verschiedene Menüführungen. Dazu kommt noch das Usermenü das man aufruft indem man länger auf die XBox-Taste am Controller drückt, sowie das Systemmenü durch kurzen Druck auf die XBox-Taste. Es sind also fünf verschiedene Menüführungen, durch die jeder sofort die Übersicht verliert. Der Effekt wird durch andere Unzulänglichkeiten noch verstärkt. Befindet man sich z.B. in der Shop-Funktion für Spiele, ändert sich die Bedienung nochmals, wenn man ein Spiel ausgewählt hat. Bricht man den Dialog ab, landet man nicht wieder an der selben Stelle in der Liste, sondern wieder ganz am Listenanfang. Das Gesamtkonzept der XBox Menüführung ist bei weitem nicht so durchdacht wie bei der PS3 und der Wii.
In den Dialogen gibt es jedoch Details, die besonders positiv hervorzuheben sind. So werden direkt in den Angebotsseiten für einige Spiele auch Demos angeboten und bei den Filmen zum Teil die Trailer. Andererseits findet man sich angesichts der durcheinander gewürfelten Menüs nicht so schnell zurecht (Wo war nochmal die Übersicht der gerade aktiven Downloads und wie kann man einzelne davon abbrechen oder pausieren?)
DVD oder Festplatte?
In den früheren XBox Versionen wurden sehr billige DVD Laufwerke verbaut. Legte man eine DVD/CD ein, entstand durch die Vibrationen ein sehr lautes Dauerbrummen. Danaben waren die Laufwerke relativ langsam, was das laden von Spielen gelegentlich zu einer Geduldsprobe werden ließ. Microsoft Empfehlung: Spiele auf Festplatte kopieren.
Mit dem kopieren der Spiele auf die Festplatte wurde nicht nur das Laufwerkbrummen beim spielen vermieden, sondern auch die Ladezeit verkürzt. Aber leider wird dadurch auch der geringe Festplattenspeicher noch weiter belastet. Inzwischen werden zum Glück bessere DVD Leser eingebaut. Das unerträglich rattern wurde damit auf ein brummen reduziert. Man kann also getrost wieder seine Games von DVD starten.
Freier Festplattentausch? Fehlanzeige!
Ist die Festplatte in ihrem Austauschramen voll, muss man eine neue von Microsft kaufen, die per Tasten-Klick schnell ausgetauscht werden kann. Leider erlaubt Microsoft es nicht, dass man eigene Festplatten mit größerer Kapazität in den Austauschrahmen einbaut. Die inzwischen erhältlichen 500 GigaByte Festplatten (In Kürze sogar 640GB) kann man also nicht einbauen, sondern muss die teureren 120 GigaByte Festplatten von Microsoft zum weitaus höheren Preis kaufen.
XBox Controller
Idealerweise müssen sich alle drei Achsen im Zentrum eines Controllers treffen. Durch die asymetrische Anordnung der Sticks und den versetzten Drehpunkt der senkrechten Achse ist jedoch das Gleichgewicht des XBox360 Controllers gestört.
Da die XBox360 Controller herkömliche Mignon Batterien, Akkus oder den speziellen Akkupack erfordern, sind sie entsprechend sehr schwer. Mit 263 Gramm sind sie auf dem Markt die derzeit schwersten Controller für Konsolen. Durch das Gewicht treten schneller als bei anderen Konsolen Ermüdungserscheinungen beim spielen auf, die sich in Krämpfen einzelner Finger oder der ganzen Hand äußern. Befestigt man die Daumentastatur am Controller, steigt das Gesamtgewicht/Zuggewicht weiter an. Wer wissen will wie sich so ein Gewicht auf Dauer anfühlt, der nehme ein kleines Paket Zucker (250g) und schwenke dieses drei Stunden lang mit beiden Händen durch die Luft. Der Muskelkater ist garantiert. In einem weiteren Testbericht wird näher auf den XBox Controller eingegangen.
Negativ:
- Kein Internetbrowser vorhanden
- Kein ergonomischer Controller
- Lauter Lüfter (42db)
- Lautes DVD Laufwerk
- Schlechte Fehlerkorrektur des DVD Laufwerks
- Netzwerkkabel unbrauchbar
- Videothek hat fast keine Angebote
- Kein eigenständiger Media Center
- Undurchschaubare Menüstruktur und unterschiedliche Menüs
- WLAN nur als teures Zusatzmodul
- Zugriff auf das Netzwerk kostenpflichtug (60 euro/Jahr)
Positiv:
+ Durchdachte Detailfunktionen (Demos/Preview im Shop)
+ Gegen Fingerabdrücke unempfindliches Gehäuse.
+ Digitaler Filmverleih per Stream
+ Auch nicht mehr erhältliche Disc Games stehen überwiegend weiterhin als Download zur Verfügung
Nachtrag:
Inzwischen ist die XBox360 Slim erschienen. Sie wird in einem anderen Test behandelt.



