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Nintendo Wii.
Interessante Spielkonzepte für Casual Gamer und Couch Potatoes?

Mit der Einführung der neuartigen Controller, rollte Nintendo den Spielkonsolen Markt von hinten auf. Hier wurde nicht Wert auf Grafikqualität gelegt, sondern draauf mit einfachen Regeln kurzer Spiele die bisherigen Nicht-Spieler zu begeisterten. Dies gelang Nintendo mit beachtlichem Erfolg. Nachdem die Wii-Verkaufszahlen seit der Einführung stetig stiegen, stagniert der Marktanteil der Wii seit dem 2. Quartal 2009 bei ca. 22%

Möglicherweise ist hier eine Marktsättigung erreicht. Eines ist aber sicher: Die Wii hat neue Controllertypen etabliert und davon können die größeren Konkurrenten lernen. Nintendo muss jedoch aufpassen, dass die Konzepte Kinect, PS3 Move und EyeToy nicht der Wii den Rang ablaufen.

Werfen wir also einen Blick auf die Wii um festzustellen wo die Stärken und die Schwächen liegen.

Beim auspacken zeigt sich, dass die weiße Hochglanzoberfläche der Wii leider empfindlich gegenüber Fingerabdrücken ist. Der beigefügte CPU Stand ermöglicht es die Wii seitlich hochkant aufzustellen. Die recht handliche Wii ist an sich nur wenig größer als drei übereinander gelegte DVD Hüllen. Daneben liegt das externe Netzteil als Stolperfalle. Das drei Meter Kabel an der Sensor Bar scheint etwas zu lang geraten und verheddert sich im Kabelgewirr hinter dem Fernseher. Zum Glück sieht man das nicht auf Dauer. Einmal an die Wii angeschlossen, kann man die Sensor-Bar auf oder unter dem Fernseher platzieren. Da die Wii kein HD Bild liefert, ist der Anschluß über Komponentenkabel ausreichend und auch das maximal mögliche. Entsprechend unscharf sieht das Bild natürlich aus. Technisch entspricht die Wii der 6. Generation der Spielkonsolen, da ihr entscheidende Merkmale der 7. Generation fehlen. (HD Auflösung, 5.1 Surround-Sound, Mehrkern-Prozessorleistung, Datenbusbreite, GigaBit Lan, Arbeitsspeichergröße, usw.) Nintendo macht daraus auch kein Versteckspiel, denn die Wii basiert technisch auf dem Vorgänger GameCube.

Die Sensor-Bar
Jetzt nur noch die Batterien in die WiiMote einlegen, Konsole einschalten und los geht es. Zuerst muss die Sensor-Bar eingestellt werden. Hier treten die ersten Probleme auf. Die Couch ist etwas über vier Meter vom Fernseher entfernt. Richtet man die Wiimote auf den Fernseher (die Sensor-Bar), ist ein Pointer (Faust mit abgespreizten Zeigefinger und Daumen) zu sehen, mit dem man die virtuellen Button drückt. Wie verrückt springt der Pointer auf dem Fernseher hin und her. Also auf 2 Meter näher ran an die Sensor-Bar und nochmal versucht. Jetzt geht es. Der Pointer macht jetzt das was ich will. Damit diese Probleme nicht wieder auftreten kann, muss die Empfindlichkeit der Sensor-Bar eingestellt werden. Danach geht es wieder zurück zur Couch.

Ein Blick in die Produktunterlagen zeigt die Problemursache: Die Infrarot Steuerung funktioniert mit der WiiMote nur zwischen 1 bis 3 Meter Entfernung zuverlässig. Da die Couch etwas über 4 Meter entfernt ist und zwei Fenster in der Nähe Tageslicht zum Fernseher herein lassen, ist die Funktion der Sensor-Bar nicht mehr gewährleistet. Der Pointer springt und ruckelt. Nach etlichen Konfigurationen ist es so, dass die WiiMote zumindest dann ruckelfrei funktioniert, wenn man vorgebeugt mit langem Arm auf die Sensor-Bar zeigt. HiTech sieht im 21. Jahrhundert aber anders aus! Heutige Infrarotfernbedienungen funktionieren auf 5 Meter und mehr zuverlässig und lassen sich auch durch Tageslicht nicht irritieren. Die WiiMote schafft hier gerade mal 3 Meter mit ach und krach. In modernen Wohnzimmern ist das jedenfalls nicht akzeptabel. Denn niemand will erst das Wohnzimmer verdunkeln, damit die WiiMote funktioniert.

Nach der Controllereinstellung muss ein Profil mit den eigenen Daten und einem Usernamen angelegt werden. Danach geht es weiter mit der System und Netzwerk-Einstellung (WLan). Die Wii erkennt zuverlässig das vorhandene Netzwerk und ist schnell im Netzwerk integriert. Ein Netzwerk-Kabel Anschluss ist in der Wii nicht enthalten und müsste extra gekauft werden. Genau genommen aber kann man sich die Anschaffung sparen, da die meisten Angebote im Shop sich auf alte Spiele beziehen und deren Downloadumfang ist recht klein. Mit WLan werden sie immernnoch recht schnell auf die Konsole geladen. - Als nächstes wird der eigene Avatar angelegt.

Avatar anlegen (Mii)
Zitat Wikipedia: "Ein Avatar ist eine künstliche Person oder ein grafischer Stellvertreter einer echten Person in der virtuellen Welt, beispielsweise in einem Computerspiel. [...] Das Wort bedeutet "Abstieg", was sich auf das Herabsteigen einer Gottheit in irdische Sphären bezieht."

Der Avatar ist etwas mit dem der Spieler normalerweise identifiziert wird. Nach Auswahl der Grundfigur bietet die Wii Möglichkeiten den Avatar (Mii) im Aussehen zu verändern. Leider ist die Auswahl der Frisuren und Gesichtszüge äußerst beschränkt. Die Kleidungsstücke reduzieren sich hier mehr auf die Farbauswahl. Die Accessories sind eher Mangelware. Am Ende hat man eine zu klein geratene unbewegliche, detailarme, steife Figur, die den Charme einer toten Fliege hat. Bei Ästhetikern vermeidet sei erfolgreich den Wunsch im Internet mit ihr in Zusammenhang gebracht zu werden. Da es für die Miis nur wenig echte Anwendungsmöglichkeiten gibt, bleibt man einfach von den öffentlichen Plätzen fern und damit hat es sich dann auch. (Mii Wettbewerb, usw.)

Interessant ist die Möglichkeit das eigene Mii Profil auf die eigene WiiMote zu kopieren, um diese zu anderen Usertreffen mitzunehmen. So kann man die andernorts ergatterten Spielepunkte wieder mit nach Hause nehmen. Das ist ein nettes Gimmick.

Bedienung
Was bei anderen Konsolen einfach "Programm" heißt, nennt sich bei der Wii "Kanal". Dazu passend sind die Programme als "Bildschirmröhre im 80er Jahre Stil" auf dem TV angeordnet. Man richtet die WiiMote auf den Fernseher und der Pointer startet mit einem Tastendruck den anvisierten Kanal oder eine Funktion. Das ist simpel und effektiv. Selbst Technik-feindliche Nutzer können ohne zu lernen das System bedienen. - Das war es dann aber auch schon mit der Nutzerfreundlichkeit. Denn leider ist die Menübedienung nicht durchgängig gleich aufgebaut. Mal muss man Taste "A" zur Auswahl drücken, ein anderes mal ist es die Taste "1" oder die Taste "2". Immer wieder verändert sich am unteren Bildschirmrand die Belegung der Button. Mal ist das Wii Menü unten links, dann unten rechts und manchmal oben rechts. Gelegentlich heißt es auch einfach: "Drücken sie die Abbrechen-Taste" und keiner weiss welche gemeint ist. Urig ist auch die Bedienung des Wii-Shop. Ganz offensichtlich hat man sich bei Nintendo keine Gedanken über eine benutzerfreundliche, einheitliche Bedienung gemacht.

DVD Video
Um es kurz zu machen: DVDs auf der Wii abspielen ist nicht möglich. Zwar hat die Wii ein kompatibles DVD Laufwerk, aber die Funktionen wurden einfach nicht integriert. Man braucht also weiterhin einen DVD Player im Wohnzimmer.

Audiocenter
Der Versuch eine Musik CD abzuspielen verlief im Sand. Ebenfalls der Test mit MP3 Dateien. Die Wii kann leider keine Audio CD, MP3, WAV oder WMV abspielen. (Nur die unüblichen Formate AAC/m4a)

Videos
Das abspielen von Video Dateien ist zwar möglich, aber vorliegende Filme müssen zuvor in das Wii Format (AVI/MOV und geringe Auflösung) konvertiert werden. Die maximal zulässige Auflösung Auflösung liegt bei nur 848*640px.

Bildersammlung
Als Format wird nur JPG akzeptiert. Andere Formate kennt die Wii nicht. Die Bildersammlung kann als eine Art Dia-Show abgespielt werden. Dazu gibt es einige Möglichkeiten zum verändern der Bilder. Die Funktionen gehen jedoch kaum über die für ein Vorschulalter typische Möglichkeiten hinaus. (Mit Farben bekritzeln, Foto drehen, Schwarz/Weiß, usw.)

WiiMote und Nunchuck
Die WiiMote ist ein Controller der im Aussehen eher eine Fernbedienung gleicht. Die Tasten liegen jedoch alle sehr weit auseinander. Einhändig sind niemals alle Tasten erreichbar. Solange die Games diese Einschränkungen beachten, ist jedoch alles in Ordnung. Wegen der unergonomischen Bauform kann die WiiMote gelegentlich Krämpfe in den Fingern verursachen. Das Nanchuck wird über ein Kabel an die WiiMote angeschlossen und ergänzt deren Funktion durch weitere Tasten und einen Stick.

Was leider stört ist zum einen das hohe Gewicht der WiiMote und zum anderen das viel zu kurze Kabel des Nunchuck. Gerade bei witzigen Bewegungsspielen reißt es immer wieder unvorhergesehen das Nunchuck aus der Hand. Wenn man da nicht aufpasst, landet das Nunchuck im teuren Fernseher oder reißt andere Sachen in der Nähe mit sich. Hier muss Nintendo unbedingt nachbessern! 30cm Kabel mehr und alles ist gut. Die Möglichkeiten der Controller an sich sind ausreichend für viel Spielspaß. Die Handgelenkschlaufe sollte man unbedingt anlegen, damit die WiiMote nicht aus der Hand rutscht und den Fernseher zerstört. (Wie leider schon sehr oft geschehen) Der Nunchuck ist eher für Kleinkinderhände gemacht und deshalb viel zu klein.

Eine nette Idee und recht auffällig ist der in der WiiMote eingebaute Lautsprecher. Zuviel erwarten darf man davon jedoch nicht, denn jeder Türgon hat einen besseren Klang. Das liegt daran, dass im Controller nur ein winziger Lautsprechers eingebaut wurde und mit diesem "Sound" sofort an die aufklappbaren Musik-Geburtstagskarten erinnert.

WiiMote: Batterien oder Ladestation?
Die WiiMote braucht Strom. Ob nun Batterien oder Akkus verwendet werden ist ihr egal. Leider hat Nintendo hier einen schweren Designfehler fabriziert, über den sich schon viele User geärgert haben. Weil schon oft WiiMotes aus der Hand gerutscht sind und dabei teure Fernseher zerstörten, liefert Nintendo einen Gummibezug mit, den man über die WiiMote drüber ziehen muss. Vor dem aufladen steht deshalb jedoch immer erst die Fummelei.

** Betrieb mit Batterien:
- Zum Batteriewechsel muss der Gummibezug immer wieder runter gepult und später wieder aufgezogen werden.
** Bei Betrieb mit Akkublock und Ladestation
- Auch hier muss zum laden der Akkublöcke der Gummibezug abgezogen werden, da die Controller nicht mit Gummibezug in die Halterung passen.

Wii Ware
Nintendo setzt wie Sony auf den Verkauf der Spiele über Disc. Die meisten Downloads im Wii Shop beziehen sich auf Retro games und sind z.B. für die Virtual Console vorgesehen (Emulator). Zwar gibt es auch Wii Spiele zum Download, allerdings waren zum Zeitpunkt des Tests (8/2009) nur ca. 25 echte Wii Spiele im Shop verfügbar. Wenn man bedenkt, dass die Wii schon viele Jahre auf dem Markt ist, ist das Angebot sehr dürftig. Die Konkurrenz bietet da deutlich mehr Spiele zum Download (XBox: ca. 500, PS3 ca. 300. Beide zzgl. Erweiterungen) Aber solange im Laden um die Ecke noch genügend Wii Spiele auf Disc angeboten werden, ist dieses geringe Angebot durchaus zu verzeihen.

Sportspiele
Der Wii liegt eine CD der Wii Sports bei, mit der man die Fähigkeiten der Controller gleich austesten kann. Wer  Bewegungsspiele lieber im Wohnzimmer macht statt an der frischen Luft, findet im Wii-Sports Angebot seine Erfüllung. Jeder sollte aber darauf achten dass die Nachbarn in der darunter liegenden Wohnung durch das poltern nicht genervt werden. Ansonsten gehört Sport nach draußen oder in das Fitnessstudio, aber bestimmt nicht in die Wohnung. Zudem ist bisher noch kein Fall bekannt, bei dem jemand durch Wii-Sports schlank(er) geworden wäre. Unter dem "Sport" Aspekt eine Wii zu kaufen ist also ein teurer Selbstbetrug. Für den Zeitverteib jedoch ist Wii-Sports durchaus interessant.

Knuddel-mich Spiele
Hier hat Nintendo die Nase (noch) vorn. Spielfiguren a la Mario und Donkey Kong sind nur auf der Nintendo Spielkonsole Zuhause, da diese Marken Nintendo gehören. Sony bringt mit den inzwischen etablierten Sackmännchen, den diversen Lizenzkäufen und anderen Dingen wie EyePet gerade viel Gegengewicht ins Spiel. Nintendo muss stark nachlegen, ansonsten läuft Sony hier in Kürze den Rang ab.

Zubehör
Ursprünglich wurden die Konsolen unter Herstellungspreis verkauft und die Spiele entsprechend teurer gemacht um dort das wahre Geld zu verdienen. Nintendo macht es deutlich geschickter und verteilt die Preiserhöhung auch auf das Zubehör. Das ist nicht negativ zu sehen, denn dadurch werden Preise für die Spiele nicht künstlich hoch gehalten. Schon mal mit dem BalanceBoard Tetris gespielt? Durch Gewichtsverlagerung werden die Steine gesteuert. Das funktioniert nicht wirklich zuverlässig, aber es ist ein toller Spaß für die nächste Party. Die dicken Freunde müssen ggf. jedoch draußen bleiben, da das BalanceBoard max. 150kg verträgt. Natürlich muss man das Zubehör nicht kaufen. Wer es dennoch tut, muss nochmal tief in die Tasche greifen. (BalanceBoard + Akkus + Ladegerät = ca. 120 Euro)

Negativ:
- Controller sind nicht ergonomisch
- externes Netzteil
- Sehr wenig Angebote im Online Shop
- Durcheinander in der Menüstruktur
- Gehäuse empfindlich gegenüber Fingerabdrücken
- Zu wenig interner Speicher
- Schlechte Bildschirmauflösung

Positiv:
+ Interessante neue Spielkonzepte durch WiiMote
+ Großes Spieleangebot auf Disc
+ Etablierte Marken a la Mario

 
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